Klassenprojekt 8f. Stellen Sie sich mal vor, Sie möchten mit Ihren Kindern einen schönen Tag verbringen. Sie haben eigentlich geplant, nur Eislaufen zu gehen, aber das Erste, wonach Sie am Eingang gefragt werden, ist, ob Sie einen negativen Test für ein tödliches Virus vorzuweisen haben. Klingt absurd, schließlich wollten Sie nur auf Ihrer lokalen Eisbahn eislaufen.
Aber genau das war die Realität, als 2019 das Coronavirus ausbrach. Ein kleiner Rückblick: Die ersten Fälle dieses dubiosen Virus kamen im Dezember 2019 in Wuhan, China, und schließlich im Januar 2020 auch in Deutschland auf. Im selben Monat noch wurde die Ausbreitung des Coronavirus von der World Health Organization (WHO) als internationale Notlage und nicht einmal vier Monate später, am 11.03.2020, als offizielle Pandemie eingestuft.
Zwei Tage später war alles dicht: Schulen, Kindergärten, Arbeitsstellen etc. Die Menschen durften auf der ganzen Welt nicht ihre Häuser verlassen; es war sogar die ersten Monate illegal, wenn man keinen Hund besaß. Die Kinder zu der damaligen Zeit wurden abrupt in ihrer Entwicklung unterbrochen. Ihnen blieben ein normaler Schulalltag, soziale Kontakte und Routine für einen Großteile der Pandemie verwehrt. All diese Dinge sind essenziell für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Folgen dieser Notlage lassen sich heute noch (knapp drei Jahre nach Ende der Pandemie) feststellen. Die Bildung der Kinder blieb insofern zurück, als Bildungslücken in den grundlegenden Themen vorhanden sind.
Durch die Schließung der Schulen waren die Schüler gezwungen, sich viel des Stoffes selbstständig anzueignen, da im Homeschooling keine ausgebildete Hilfe, zum wieder hohlen, verfügbar war.
Ihren ganzen Alltag haben die Kinder außerhalb der gewohnten Norm verbracht. Sie saßen zuhause vor einem Bildschirm, der ihren gesamten sozialen Kontakt zur Außenwelt darstellte. In vielen Fällen funktionierte nicht einmal die Elektronik, was zu einer noch größeren Abschottung führte. Den Eltern, die sich mit Internet, Endgeräten und Netzwerken nicht auskannten und natürlich auch mit der eigenen Arbeitsumstellung zu kämpfen hatten (die durch Corona ausgelöste Arbeitskrise, bei der viele Firmen pleite gingen und gezwungen waren, Mitarbeiter zu entlassen), war es auch nicht immer möglich, ihren Kindern die benötigte Unterstützung zu bieten. So distanzierten sich die Kinder immer weiter vom menschlichen Kontakt. Ihre Fähigkeit, emotionale Bindungen zu schließen und zu pflegen, oder ihre Konfliktfähigkeit blieb aufgrund der Isolation ein unausgeprägter Teil ihres Charakters. (Verhaltensstörungen sind keine seltenen Folgen für vernachlässigte Individuen.)
In einem Haus oder in einer Wohnung eingesperrt zu sein, sich nur in einem begrenzten Bereich bewegen zu können und zu dürfen, mit denselben Personen, denen man nicht einmal aus dem Weg gehen kann, hat auch Auswirkungen auf die Familiendynamik. Im normalen Alltag unter der Woche verbringen Familien durchschnittlich nur ca. 2–3 Stunden miteinander. Die sogenannte „Quality Time“ (die bewusst erlebte, ungeteilte und intensive Zeit, die man mit anderen Menschen oder sich selbst verbringt) beträgt hierbei nur etwa 15 Minuten. Im Vergleich zu den Zeiten von Corona, in denen man 24/7 aufeinander saß, ist das ein enormer Unterschied. In einer Vielzahl von Familien kam es aufgrund dieser Nähe zu Konflikten und Streit, und diese Zeit hinterließ irreparable Schäden in der innerfamiliären Beziehung. Auch wenn etliche Eltern aussagen, dass die zusammen verbrachte Zeit das Familiengefüge gestärkt haben soll, ist dies nachweislich nicht die Norm.
Sie können sich sicher ausmalen, dass die Kombination aus vermehrter Bildschirmzeit, weniger körperlicher Bewegung und ständigen Konflikten in der Familie auch negative Auswirkungen auf die körperliche sowie die mentale Gesundheit der Kinder hat. Den ganzen Tag nur zu sitzen, ohne ausreichende Bewegung und mit einem höheren Medienkonsum, hat zur Folge, dass bereits Kinder von extremer Gewichtszunahme betroffen waren.
Wird ein Wesen, welches nicht dafür gedacht ist, alleine zu sein, über einen längeren Zeitraum auf diese Weise isoliert, leidet es darunter. Genau das trifft auf knapp 71 % der betroffenen Jugendlichen zu. Sie waren extrem belastet von den Folgen Coronas, und die Lebensqualität sank drastisch (besonders betroffen waren Kinder aus sozial schwachen Haushalten und Mädchen im jugendlichen Alter). Auch die Anzahl psychischer Auffälligkeiten verdoppelte sich. (Auffälligkeiten sind Angstzustände, Einsamkeit, Zukunftsängste etc.)
Sie sehen also, dass die Pandemie und das Coronavirus nicht nur eine weltweite medizinische Krise waren, sondern auch für die Kinder und Jugendlichen in ihren Zimmern zuhause ihre Folgen mit sich brachten, die immer noch Teil ihres Lebens sind.
Emilia Lehmberg
Quellen:
Siegler et al.: Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter
Lev Wygotski: soziale Interaktion und Lernen
