19. Juni 2026

Truecrime – Zwischen Faszination und Kritik

Klassenprojekt 8f

Truecrime, wörtlich übersetzt als „wahre Verbrechen“, sind Erzählungen über Kriminalfälle, die im echten Leben geschehen sind.

Viele Menschen unterhalten sich gerne mit True Crime. Selbst Sie haben wahrscheinlich schon mal True Crime konsumiert. Ob in der Zeitung, als Buch, Film, oder, besonders beliebt, in Podcasts. 

Etwa ein Drittel der Deutschen hat schon einmal True Crime konsumiert. Am liebsten werden die blutigen Verbrechen von Frauen gehört, ca. 60% bis 80% der Hörer sind weiblich, je nachdem, welche Studie man zu Rate zieht. Bei einem Interview in der Klasse konnte man beobachten, dass eher die Mädchen True Crime kennen und hören. Drei Mädchen gaben an, solche Formate wöchentlich anzuhören. 

Als Geburt des True Crime als Podcastformat gilt der 2014 zum ersten Mal veröffentlichte Podcast „Serial“. Bei diesem Podcast wurde zum ersten Mal ein Kriminalfall per Audio aufgerollt. Der Host Sarah König erzählt in der ersten Staffel in mehreren Folgen vom Fall der Schülerin Hae Min Lee. Die Beweislage wird zum ersten Mal im Podcast in alle Teile zerlegt und überprüft. Dieses Format ging durch die Decke, und ab der dieser Veröffentlichung wurde das Angebot an True Crime Podcasts immer größer. 

Mittlerweile gibt es immer mehr verschiedene Arten von True Crime. Es gibt Formate mit zwei Hosts, bei dem der Fall wie bei einer Dokumentation, aber trotzdem in einer entspannten Unterhaltung besprochen wird. Andere Formate erzählen den Fall eher wie eine Geschichte, analysieren die psychologischen Aspekte mehr oder, sehr umstritten, bereiten Fälle so auf, dass man sie als ASMR-Einschlafpodcast oder als Comedyhörspiel hören kann. „Ich höre am liebsten die dokumentarischen Podcasts, zum Einschlafen oder auf dem Weg“, erzählt eine Klassenkameradin.

Häufig wird in der Klasse gesagt, man höre True Crime Podcasts gerne nebenher, auf dem Weg zur Schule, beim Malen oder beim Hausaufgabenmachen. True Crime wird also nur als Add-On zu einer anderen Tätigkeit betrachtet, ein Mädchen sagt: „Ich vergesse nach dem Hören direkt wieder, was ich gehört habe.“

Der Hype kommt einerseits also von dem Unterhaltungswert, aber auch von der Verfügbarkeit. Bei der Frage, warum man True Crime als Podcast hört, kommt die Antwort: „Es gibt halt oft neue Folgen.“ Im Fernsehen brauche es länger, bis neue Geschichten verfilmt werden.

Aber wie sieht’s es mit Werbung aus? Über 80% stimmen der Behauptung zu, bei Werbung färbe durch die Glaubwürdigkeit der Creator:innen das Gefühl von Qualität auf die beworbene Marke ab. Viele finden es also nicht verwerflich, mitten in einem blutigen Mord von Jack the Ripper Werbung für einen Wischmopp ausgespült zu bekommen. Wobei man sagen muss, laut der Umfrage 2026 von Podstars by OMR wird Werbung in Podcasts im Vergleich zu anderen Werbeformaten wie auf Social Media oder im TV am meisten akzeptiert. Ein Interviewter beurteilt: „Sie müssen ja irgendwie ihr Geld verdienen.“ Eine andere sagt:„ Ehrlich gesagt finde ich das sehr nervig, weil dadurch die Stimmung unterbrochen wird. Vor allem kommt dann immer die gleiche Werbung, ich spule die dann immer vor.“ Es wird aber auch als makaber empfunden. Generell ist es eigentlich makaber, überhaupt True Crime zu hören. „Ich finde es schwierig, weil Unterhaltung ist ja lustig. Aber True Crime sollte gar nicht lustig sein, sondern eher abschrecken.“ Andere finden True Crime auch gut: „Es wird gezeigt, was es für Menschen gibt.“ Es dient zur Aufklärung. Ein Mädchen gab an, True Crime zu hören, um die psychologischen Hintergründe der Täter zu verstehen. Warum machen Menschen sowas? 

Ein Problem gibt es, wenn Geschichten verzerrt dargestellt werden, ob mit Absicht, um das Verbrechen sensationell auszuschmücken oder durch schlechte Recherche. Außerdem gibt es gemischte Meinungen zu dem Opferschutz: Einige befürworten die Aufmerksamkeit auf schreckliche Fälle, um den Überlebenden Respekt dafür zu zollen, das durchgehalten zu haben und dem Täter seine gerechte Strafe zuteilwerden lassen, andere denken, die Überlebenden hätten häufig schon genug damit zu tun, ihre Traumata zu verarbeiten und die schreckliche Zeit, die ja nicht ihr Leben bestimmt, hinter sich zu lassen. 

Bei Menschen, die die Taten nicht überlebten, wird einerseits oft an sie gedacht, andererseits wird ihr Andenken durch einen schrecklichen Moment definiert. Bei den Tätern gibt es auch gespaltene Meinungen: Sie bekommen durch die mediale Aufmerksamkeit vielleicht mehr Schuld-/ oder Reuegefühle, und obendrauf mehrere Hobby-Psychoanalysen von selbsternannten True Crime Profis. Aber was, wenn sie ihre Strafe abgesessen haben und Einsicht zeigen? 

Dann kann die sogenannte Resozialisierung schwierig werden, also das Integrieren des Täters zurück in die Gesellschaft: Angehörige des Opfers möchten sich „rächen“, vielleicht wurde das Gesicht im Internet geleakt. Aber: Täter können auch zu Vorbildern werden. Durch große mediale Aufmerksamkeit kann es zu „Täterverehrung“ kommen; dann wird Fanpost in die Gefängnisse gesendet und ein Mörder oder Vergewaltiger wird zum Helden. Kann True Crime Leute zu Kriminaltaten inspirieren? Oder zu einer makaberen „Anleitung“ werden? „Ich glaube schon, dass das schon mal passiert sein könnte…“ sagt eine Klassenkameradin. 

Tatsache ist, Täter ließen sich bei Verbrechen schon von Kriminellen wie Jeffrey Darmer inspirieren. Manche eiferten diesen auch nach, glorifizierten die Täter. Deshalb müssen Redaktionen heutzutage auf zu detaillierte Schilderungen verzichten: Es darf nicht mehr die Tat beschönigt, der genaue Tatverlauf dargestellt oder der Täterhintergrund zensiert werden.

Bei True Crime gibt es also ein paar Probleme durch die schnelle Verbreitung von Kriminalfällen, die sowohl die Personen des Falles als auch die Verherrlichung der Täter betreffen. Aber True Crime ist schon so sehr in der neuen Generation verankert, dass es kaum wegzudenken ist. Die Podcasts werden gerne nebenher, einfach als Beschallung genutzt. Kritik ist zwar berechtigt und True Crime ist aus gutem Grund heiß diskutiert, aber mittlerweile ist True Crime größtenteils als Genre akzeptiert. Am Ende ist True Crime eben nicht nur Ausschlachten blutiger Verbrechen, sondern für viele mittlerweile ein fester Lieblingspodcast.

True Crime wird wahrscheinlich auch in Zukunft noch sehr beliebt bleiben. Viele hören solche Podcasts einfach aus Interesse oder nebenbei im Alltag. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass hinter den Geschichten echte Menschen und oft schlimme Schicksale stecken. Deshalb ist es wichtig, respektvoll über solche Fälle zu berichten und nicht nur an die Unterhaltung zu denken. Echte Verbrechen sind am Ende mehr als nur ein spannender Podcast.

Ida B. und Sofie

Quellen: 

https://www.statista.com

https://www.podstars.de

https://detektor.fm/digital/podcastpodcast-serial/amp

https://www.stehauffrau.de/sind-true-crime-formate-taeterglorifizierung