30. Oktober 2020

CSU-YouTuber? – CSYOU! (Kommentar)

Die CSU hat nun mit einer eigenen Video-Reihe auf YouTube angefangen. Bei der letzten Wahl gingen die Stimmen der CSU, genau wie die der CDU, stark ein. Sollte ein derartiger Verlust an Stimmen sich bei der nächsten Bundestagswahl wiederholen, würde die CSU aufgrund der 5%-Hürde nicht mehr im Bundestag sitzen. Nun versuchen sie scheinbar, sich für die junge Generation zugänglicher zu machen.

Genau so sieht das Video auch aus: Als hätte eine eher ältere Person (= 50-70 Jahre) versucht, etwas zu machen, das den jungen Leuten gefällt, ohne wirklich zu verstehen, worum es dabei geht. Es ist ein wirres Gewusel aus Schnitten, Einblendungen, Soundeffekten und Zooms. Das Ganze wirkt schlicht unauthentisch bis cringig. Das kann man auch über den Host des Ganzen sagen. Armin Petschner ist bei der CSU für digitale Kommunikation zuständig. Er hat sich für dieses Video scheinbar ,,umgestylt“. Während er vor kurzem noch mit Brille, Krawatte und braunen Haaren unterwegs war, tritt im CSYOU-Video ohne Krawatte und Brille auf, dafür mit blondierten Haaren.

https://www.aktuelle-nachrichten-online.eu/artikel/wandlungsfahig-ein-alter-junger-youtuber-von-der-csu/6416684

Er wirkt vom Aussehen bis hin zu seiner kompletten Art wie ein unmotivierter und unauthentischer Abklatsch von anderen YouTubern, unter anderem Rezo. (*Hust*Gerfärbte Haare*Hust*)

Inhalt

Kommen wir nun zum ,,Inhalt“. Im Grunde geht es das ganze Video darum, politische Gegner zu diskreditieren und zu sagen, dass sie doof sind.

Es beginnt mit Greta Thunberg, die mit den FridaysForFuture angefangen hat. Sie ist, für alle, die es nicht mitbekommen haben, in den letzten Tagen/Wochen über den Atlantik gesegelt. CSYOU kritisiert, dass ihre komplette Crew mit der Yacht, die sie benutzt hat, zurück fliegt und somit ein Flug mehr anfällt, als wenn sie direkt geflogen wäre. Das ist so nicht ganz falsch. Sie segelte mit einer Crew, die sich auf Wettrennen in Frankreich vorbeireitet. Ihr Skipper sagte dazu laut dem Tagespiegel Folgendes:

,,Man muss das differenzierter betrachten. Wir haben Greta versprochen, sie klimaneutral über den Atlantik zu bringen, weil das ihr Wunsch war, und genau das lösen wir ein. Sie kommt, ohne Brennstoff zu verbrauchen, von Europa nach New York. Es gibt wohl kein anderes Transportmittel, das das derzeit gewährleisten würde.

Trotzdem muss man beachten, dass die Malizia kein Passagierschiff ist, sondern ein Sportgerät. Und wir sind ein Rennteam in der Vorbereitung aufs Vendée Globe. Wir testen dafür ständig Material und Crew. Das würden wir, wenn wir Greta gerade nicht an Bord hätten, derzeit in Frankreich tun. Dorthin würden Leute ebenfalls zu ihren Einsätzen fliegen.“

Außerdem wäre es für das Klima auf jeden Fall wesentlich besser, wenn einzelne Personen und Konzerne davon abgehalten werden, etwas gegen das Klima zu tun, als wenn einer Person mit einem der niedrigsten CO2-Austösse vorzuwerfen, es sei zu viel. Das ist, als letzter Punkt, auch gar nicht das relevante Thema. Es geht nicht um Greta, sondern um Klimapolitik. Nicht um ihren CO2-Austoss, sondern um den der großen Konzerne und wie die Regierung diesen drosseln kann.

Weiter geht es bei den Grünen. CSYOU wirft ihnen vor, mit 126 die meisten Einzelflugreisen zu unternehmen. Das stimmt nur so halb. Der Durchschnitt der Einzeldienstreisen liegt bei den Grünen über dem Durchschnitt. In absoluten Zahlen liegt die Union allerdings eindeutig vorne. Selbes Problem, wie bei dem Vorwurf gegen Greta Thunberg. So löst sich das Problem nicht.

Als nächstes geht um die unteilbar-Demo. Das ist eine Demonstration in Dresden für mehr Solidarität und gegen Rechtsextremismus. Der Vorwurf von CSYOU ist nun folgender: Deutschlandflaggen waren nicht erwünscht, scheinbar um Patriotismus und somit auch Nationalismus vorzubeugen. Flaggen, die zwar da waren, aber nicht ausdrücklich erwünscht waren Antifa-Flaggen und DDR-Symbole. Hierbei wird fälschlicherweise die Antifa als Schwarzer Block bezeichnet. Die Personen auf dem von CSYOU gezeigten Foto sind z. B. nicht vermummt. Außerdem wird es hier so dargestellt, als würden die Organisatoren der Demo die Antifa unterstützen, was nicht der Fall ist.

Im nächsten Punkt wird ausnahmsweise mal keine Kritik geübt. Es wird gesagt, wie super die Groko doch sei, da sie zwei Drittel der Versprechen im Koalitionsvertrag bereits erfüllt oder angepackt habe.

Das stimmt. Laut der Bertelsmann-Stiftung sind es 61%, das kann man auf zwei Drittel runden. Allerdings werden alle Versprechen gleich gewichtet und nicht nachprüfbare Versprechen wurden nicht mit einbezogen. Das ist ein wenig irreführend, aber zumindest keine Lüge. Anders, als der nächste Punkt.

Als letzter Punkt wird noch erzählt, dass Soldaten ab dem nächsten Jahr gratis mit der Bahn fahren dürfen. Nebenbei wird jedoch noch die Bemerkung fallengelassen, die Grünen hätten NOCH NIE etwas für die Bundeswehr getan, was falsch ist. Erst diesen Sommer haben sie eine bessere Ausstattung der Bundeswehr gefordert.

Nachspiel

Es wurden nach dem Video scheinbar massenhaft kritische Kommentare gelöscht. Nicht nur, dass das im Social-Media-Bereich sowieso eine Todsünde ist, es ist auch als Partei sehr dreist, Kritik und somit den Ursprung jeder Diskussion, nämlich unterschiedliche Meinungen, zu ersticken.

Wie das Video ankam, zeigt sich natürlich sehr gut am Like-Dislike-Verhältnis. Als dieser Beitrag geschrieben wird, ist dieses Verhältnis fünf Tage nach der Veröffentlichung wie folgt: 3400 Likes zu 141.000 Dislikes. Ups.

Ferner gab es natürlich ein großes (überwiegend negatives) Echo in den (Sozialen) Medien.

Fazit

Dieses Video beweist völlig, dass es die CDU/CSU immer noch nicht verstanden hat. Es geht nicht darum, eine Social-Media-Präsens zu haben, jung und hipp zu sein oder in ,,ihrer Sprache“ mit der Jugend zu reden. Sie dürfen ruhig weiter in ihren Anzügen im Bundestag sitzen und reden, wie sie wollen. Der einzige Weg die Stimmen der jungen Generation zu bekommen ist Politik im Sinne der jungen Generation zu machen. Bis dahin werden die Zahlen weiter einsinken.